
Ex-Betriebsrat und Gewerkschafter Johannes Wicht fordert die Deutsche Telekom erneut auf, ihrer sozialen Verantwortung für Nachwuchskräfte gerecht zu werden. Leerstehende Vermittlungsstellen könnten nach seiner Einschätzung zu bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende umgebaut werden.
Seit Jahren setzt sich der ehemalige Betriebsrat und Gewerkschafter der Kommunikationsgewerkschaft DPV, Johannes Wicht, dafür ein, dass die Deutsche Telekom ihren Nachwuchskräften bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellt. Der aktuelle Ausbildungsreport gibt dieser Forderung aus seiner Sicht neue Aktualität.
Wicht war selbst als Planer in einem bundesweiten Projekt tätig. Dabei sei bereits früh erkennbar gewesen, dass Ende 2022 rund 10.000 Vermittlungsstellen nicht mehr genutzt werden. Ein Teil dieser Gebäude habe etwa die Größe eines Einfamilienhauses und könnte nach seiner Einschätzung mit vergleichsweise einfachen baulichen Maßnahmen, beispielsweise durch den Einbau von Trennwänden, in kleinere Mietwohnungen für Auszubildende umgewandelt werden.
„Diese Gebäude bringen bereits wichtige Voraussetzungen mit“, argumentiert Wicht. Dazu gehörten unter anderem Wasser- und Abwasseranschlüsse, Strom, Heizung, Toiletten und vielfach auch Parkmöglichkeiten. Damit könnten vorhandene Immobilien sinnvoll genutzt und gleichzeitig neue Perspektiven für junge Menschen geschaffen werden.
Unterstützung könnte dabei auch von staatlicher Seite kommen. Die Bundesregierung fördert mit dem Programm „Gewerbe zu Wohnen“ die Umwandlung nicht mehr benötigter Gewerbeimmobilien in Wohnraum. Bundesbauministerin Verena Hubertz wirbt für das Programm mit dem Ziel, ungenutzten Gewerbeimmobilien eine neue Perspektive zu geben und aus „stillen Gebäuden wieder lebendige Orte“ zu machen.
Für Wicht bietet sich damit eine konkrete Möglichkeit, die Interessen der Telekom, ihrer Nachwuchskräfte und der Gesellschaft miteinander zu verbinden. Anstatt ehemalige Betriebsimmobilien ungenutzt zu lassen, könnten sie für junge Beschäftigte zu bezahlbaren Wohnungen werden.
Im September 2026 wird die Deutsche Telekom bundesweit erneut rund 1.650 Nachwuchskräfte einstellen. Für Wicht stellt sich deshalb mehr denn je die Frage, wie diese jungen Menschen bei ihrem Start ins Berufsleben unterstützt werden können.
„Wann erkennt die Führungsetage der Telekom endlich ihre soziale Verantwortung?“, fragt Wicht.
Er hofft zugleich auf Unterstützung aus der Öffentlichkeit: Leserinnen und Leser, Influencer und gesellschaftliche Akteure könnten dazu beitragen, die Idee einer Umwandlung nicht mehr benötigter Telekom-Immobilien in bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende stärker in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Ausbildungsreport 2026: Zufriedenheit unter Auszubildenden sinkt auf Tiefstand | DIE ZEIT
