Telekom-Beschäftigte wieder mit eigenem Schreibtisch? Ein Vorschlag von Ex-Betriebsrat und Gewerkschafter Johannes Wicht.

Shared Desk und Desksharing werden als moderne Arbeitswelt verkauft. Für viele Beschäftigte bedeutet das jedoch vor allem eines: jeden Tag einen anderen Arbeitsplatz suchen, Technik neu einrichten und persönliche Dinge ständig wegräumen.
Das Homeoffice hat sich etabliert – in der Folge wurden Büroflächen reduziert und Arbeitsplätze eingespart. Wirtschaftlich mag das nachvollziehbar sein, aber der Mensch darf dabei nicht zur Auslastungsquote verkommen. Gerade bei steigender Arbeitsverdichtung und immer neuen Anforderungen wird das tägliche „Büro-Nomadenleben“ zu einer zusätzlichen Belastung.
Gilt New Work wirklich für alle?
Besonders kritisch ist der Blick auf die Führungsebenen: Während Beschäftigte Schreibtische teilen müssen, verfügen manche Führungskräfte weiterhin über dauerhafte, komfortabel ausgestattete und abgeschirmte Einzelbüros. Warum gilt Desksharing eigentlich nicht für alle?
Ex-Betriebsrat Johannes Wicht fragte seinen Chef einst in einer Sitzung, ob dieser bereit wäre, eine Woche lang den Arbeitsplatz mit ihm zu tauschen. Nach längerem Schweigen wurde der Vorschlag abgelehnt. Dabei wäre genau das aufschlussreich: Eine Woche arbeiten wie die eigenen Beschäftigten – mit denselben Arbeitsplätzen, denselben IT-Anwendungen und denselben alltäglichen Problemen.
Wichts Vorschlag: Echte Wahlfreiheit
Shared Desk kann für manche Beschäftigte funktionieren – andere brauchen einen festen Arbeitsplatz. Deshalb sollte gelten: Wer einen eigenen Schreibtisch möchte und sofern die räumlichen Möglichkeiten dafür bestehen, sollte diesen wieder bekommen können.
Das ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen von Respekt vor den unterschiedlichen Bedürfnissen der Belegschaft. Eine moderne Arbeitswelt erkennt man schließlich nicht daran, wie viele Schreibtische abgeschafft wurden, sondern daran, wie gut die Menschen an ihren Schreibtischen arbeiten können.
Oben Einzelbüro – unten Schreibtischroulette? Das sollte nicht die Zukunft der Telekom sein.
